Pinselkunde - Allgemeines zu Pinselhaaren
Datum: 22.09.2009 3:02 Uhr
Ein entscheidendes Kriterium für die Qualität eines Pinsels ist die Spannkraft
des Haarkörpers.
Es gilt die Regel: Je länger das verarbeitete Haar ist und je
weiter es oben zur Spitze hin eingefasst wird, desto größer ist seine
Spannkraft.
Bei einem erstklassigen Kolinsky-Pinsel z. B. sind nicht selten bis
zu 50 % der Haarlänge für den Käufer unsichtbar in der Zwinge „versteckt".
In
seiner Elastizität ist ein solches Produkt unübertroffen. Da die längeren
Kolinsky-Schweifhaare nur sehr selten sind, ist der Preisunterschied in den
Haarlängen groß.
Ein nur um 3 mm längeres Kolinsky-Rotmarderhaar verteuert den
Kilopreis bereits um € 850,-.
Mit Hilfe des sog. „Schnalztests" haben Sie die Möglichkeit, Kenntnis über die
unterschiedlichen verarbeiteten Haarlängen bei Pinseln von gleicher sichtbarer
Haarlänge und Stärke zu gewinnen.
Der Pinselkörper muss am Ohr bis in die
Waagerechte gehoben, gebogen und dann schnell losgelassen werden.
Je höher der
Rückschnalzton, desto länger sind die im Pinsel verarbeiteten Haare und umso
größer ist seine Elastizität.
- Farbaufnahme und Farbabgabe
Haare und Borsten lassen im Pinselkörper kleine Kapillare entstehen, in die die
Farbe einfließt bzw. aufgesogen wird.
Je mehr Haare also in einem Pinsel
zusammengefasst sind, desto größer ist die Kapillarwirkung, desto höher seine
Farbaufnahmefähigkeit.
Das Fehhaar als Haar mit dem kleinsten Durchmesser ist
durch die größere Haarmenge in der Zwinge in der Lage, von allen
Besteckmaterialien die meiste Farbe aufzunehmen.
Daher eignen sich
Fehhaarpinsel besonders gut für Verwascharbeiten.
Rotmarderhaar und
Synthetikfaser besitzen eine annähernd gleich hohe Fähigkeit, Farbe
aufzunehmen.
Doch ist die Industriefaser, da ihr die natürliche
„Schuppenstruktur" fehlt, den Naturhaaren hinsichtlich Farbabgabe eindeutig
unterlegen.
Naturhaare und Naturborsten sind die traditionellen
Besteckmaterialien eines Pinsels.
Ihr innerer Aufbau ist gleichartig. Um einen
Markstrang schließt sich eine schuppenartige Deckschicht, die von großer
Bedeutung für Saugfähigkeit, Schluss und Elastizität des Pinselkörpers ist.
Je
enger die feinen Schuppen am Markstrang anliegen, umso größer ist die
Spannkraft des Pinsels. Saugt ein Pinsel z. B. zu lange Wasser oder kann er
nicht richtig austrocknen, so öffnet sich die Schuppenhülle - die Elastizität
lässt nach, der Pinselkörper „geht aus der Form".
- In diesem Falle reinigen Sie
Ihren Pinsel gründlich, streifen ihn ab und geben ihm ausreichend Zeit zu
trocknen. Dann ist Ihr „Werkzeug" wieder voll funktionsfähig.
Die äußere Erscheinungsform von Naturhaaren und Naturborsten ist verschieden.
Beispielsweise der Durchmesser: Während man die Bezeichnung „Naturhaare" bis zu
einer Stärke von 0,15 mm ø verwendet, sprechen wir ab einem Durchmesser von 0,2
mm von der „Naturborste".
Naturhaare enden in einer einzigen, mehr oder weniger
fein ausgebildeten Spitze; dagegen laufen Naturborsten zur Spitze hin in
mehreren sog. „Fahnen" aus. Je feiner und zahlreicher diese Fahnen sind, umso
fülliger und saugfähiger ist die Borste.
Kunstfasern bilden mittlerweile eine ökonomisch wie ökologisch interessante
Alternative zu den natürlichen Besteckmaterialien. Die Synthetikhaare haben die
konische Form des natürlichen Haares und laufen ebenfalls in nadelfeinen
Spitzen aus.
Sie besitzen eine hohe Spannkraft, Stabilität und Haltbarkeit,
sind leicht zu pflegen und preisgünstig.
Pinsel aus Kunstfasern haben sich für
das Vermalen bestimmter Farbkonsistenzen, insbesondere der Acrylfarbe und für
die Arbeit auf rauen Malgründen, bewährt.
Der Nachteil der Synthetikhaar- und -borstenpinsel liegt in ihrer, im Vergleich
zum Naturhaar, wesentlich schnelleren, Farbabgabe, da ihnen die natürliche
Schuppenstruktur des „echten" Haares fehlt.
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